Chapter 1
Die Erwachenden
Konstantins Ruf
Der Klang kam aus den Knochen selbst—nicht gehört, sondern gefühlt, wie Fingernägel die Innenseite seines Schädels entlangkratzten. Konstantin erwachte mit dem Geschmack von verbranntem Kupfer auf der Zunge. Seine Hände voller Asche, die zwischen den Fingerspitzen zerbröselte.
Das Zimmer roch nach seinem Vater—Pfeifentabak und Enttäuschung. Schimmel vielleicht. Die Tapete schälte sich an den Ecken ab, wo Feuchtigkeit durch Risse sickerte. Konstantin rieb sich die Augen und fühlte Sand zwischen den Lidern.
"Wieder die Träume?" Seine Mutter stand im Türrahmen, ihre Gestalt gegen das schwache Morgenlicht silhouettiert.
Er nickte. Diese Sache, die durch seinen Kopf gewandert war—heiß und hungrig—hatte Gewicht besessen. Seine Mutter trat näher. Lavendel und Angst.
"Die Nachbars haben sich beschwert." Sie setzte sich auf die Bettkante. "Der alte Bachmann sagt, seine Küchenfenster sind gesprungen. Alle drei."
Konstantin starrte die Innenseiten seiner Finger an. Die Asche war verschwunden, aber seine Handteller prickelten noch immer. "Ich hab geschlafen."
"Das weiß ich." Ihre Finger fanden seine Stirn, kühl gegen seine Haut. "Du bist heiß."
Nicht Fieber. Etwas anderes. Etwas, das unter seiner Haut lebte wie ein zweites Herz. Er schob ihre Hand weg—ihre Knöchel rau von Waschseife und Arbeit.
Sie stand auf, glättete ihren Rock zu hastig. "Königin Elizabet hält heute eine Rede." Pause. "Vielleicht sollten wir zuhören."
Die Erwähnung der Königin ließ etwas in seinem Magen sich zusammenziehen. Erkennungsschmerz, wie ein gebrochener Knochen bei Regen.
"Was sagt sie denn?"
"Ordnung. Tradition." Seine Mutter drehte sich zum Fenster, ihre Finger spielten mit den Vorhängen. Ein Faden löste sich. "Sie erwähnte seltsame Ereignisse. In Brandhurst und Grauenfels."
Konstantin setzte sich auf. Das Ding in seinem Brustkorb rührte sich. "Was für—"
"Dinge, die nicht erklärt werden können." Ihr Atem beschlug das kalte Glas. "Es gab Verhaftungen."
Er stand auf, zu schnell. Das Zimmer schwankte. Seine Füße fanden kalte Dielen, und irgendwo hörte er etwas antworten—ein Vibrieren, tief und resonant.
Die Wand neben seinem Bett zeigte einen feinen Riss. Haarfein, aber da. Vom Fußboden bis zur Decke in perfekt gerader Linie.
Seine Mutter sah ihn an, dann die Wand, dann wieder ihn. Ihr Mund öffnete sich. Schloss sich.
Das Radio im Nebenzimmer knisterte zum Leben. Königin Elizabets Stimme kroch durch die dünnen Wände wie Frost über Glas.
Das Zimmer roch nach seinem Vater—Pfeifentabak und Enttäuschung. Schimmel vielleicht. Die Tapete schälte sich an den Ecken ab, wo Feuchtigkeit durch Risse sickerte. Konstantin rieb sich die Augen und fühlte Sand zwischen den Lidern.
"Wieder die Träume?" Seine Mutter stand im Türrahmen, ihre Gestalt gegen das schwache Morgenlicht silhouettiert.
Er nickte. Diese Sache, die durch seinen Kopf gewandert war—heiß und hungrig—hatte Gewicht besessen. Seine Mutter trat näher. Lavendel und Angst.
"Die Nachbars haben sich beschwert." Sie setzte sich auf die Bettkante. "Der alte Bachmann sagt, seine Küchenfenster sind gesprungen. Alle drei."
Konstantin starrte die Innenseiten seiner Finger an. Die Asche war verschwunden, aber seine Handteller prickelten noch immer. "Ich hab geschlafen."
"Das weiß ich." Ihre Finger fanden seine Stirn, kühl gegen seine Haut. "Du bist heiß."
Nicht Fieber. Etwas anderes. Etwas, das unter seiner Haut lebte wie ein zweites Herz. Er schob ihre Hand weg—ihre Knöchel rau von Waschseife und Arbeit.
Sie stand auf, glättete ihren Rock zu hastig. "Königin Elizabet hält heute eine Rede." Pause. "Vielleicht sollten wir zuhören."
Die Erwähnung der Königin ließ etwas in seinem Magen sich zusammenziehen. Erkennungsschmerz, wie ein gebrochener Knochen bei Regen.
"Was sagt sie denn?"
"Ordnung. Tradition." Seine Mutter drehte sich zum Fenster, ihre Finger spielten mit den Vorhängen. Ein Faden löste sich. "Sie erwähnte seltsame Ereignisse. In Brandhurst und Grauenfels."
Konstantin setzte sich auf. Das Ding in seinem Brustkorb rührte sich. "Was für—"
"Dinge, die nicht erklärt werden können." Ihr Atem beschlug das kalte Glas. "Es gab Verhaftungen."
Er stand auf, zu schnell. Das Zimmer schwankte. Seine Füße fanden kalte Dielen, und irgendwo hörte er etwas antworten—ein Vibrieren, tief und resonant.
Die Wand neben seinem Bett zeigte einen feinen Riss. Haarfein, aber da. Vom Fußboden bis zur Decke in perfekt gerader Linie.
Seine Mutter sah ihn an, dann die Wand, dann wieder ihn. Ihr Mund öffnete sich. Schloss sich.
Das Radio im Nebenzimmer knisterte zum Leben. Königin Elizabets Stimme kroch durch die dünnen Wände wie Frost über Glas.
Arinas Erwachen
Der beißende Geruch von verbrannter Elektronik klebte an Arinas Fingerspitzen—geschmolzenes Plastik und Kupferdraht, dieser chemische Qualm, der in die Nebenhöhlen kroch und blieb. Sie hockte hinter einem Container in der Servicegasse des Museums, Knie schabten über zerbrochenen Beton, während Königin Elizabets Einsatzteam das Gebäude über ihr durchsuchte.
Konstantins letzte Festplatte rauchte noch im Mülleimer.
Arina presste ihre Handflächen gegen die Ziegelmauer. Etwas vibrierte unter ihrer Haut—ein tiefes Summen, das durch ihre Knochen wanderte wie Rückkopplung aus einem kaputten Verstärker. Ihre Finger zuckten. Ein Ziegel löste sich aus dem Mörtel und klirrte zu Boden.
Sie starrte ihre Hände an, als gehörten sie jemand anderem.
Das Vibrieren verstärkte sich, kroch ihre Arme hinauf in ihre Brust, wo ihr Herz gegen Rippen hämmerte, die plötzlich zu klein wirkten. Schwere Stiefel hallten durch die Laderampe über ihr. "Durchsucht jeden Winkel", bellte eine Stimme durch Funkrauschen. "Der Schwarzwald-Kontakt ist irgendwo in diesem Gebäude."
Schwarze Asche rieselte aus der Lüftung des Museums. Arinas Großmutter hatte früher Geschichten über Menschen erzählt, die Gegenstände berühren und biegen konnten, vor den bundesweiten Razzien. Geschichten, die Arina als Familienlegenden abgeheftet hatte.
Jetzt wand sich etwas Lebendiges unter ihrer Haut. Energie suchte einen Ausgang.
Ein weiterer Ziegel brach lose. Dann noch einer.
Arina biss sich auf die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte—metallisch und warm gegen die Zähne. Das Vibrieren hörte nicht auf. Ihre Fingerspitzen glühten schwach im Gassenschatten, warfen zitternde Muster über nasses Pflaster.
Oben knallte eine Tür gegen eine Wand. Glas zersplitterte—die Vitrinen des Museums vermutlich. Arina duckte sich tiefer hinter den Container, presste ihre glühenden Hände gegen den Mund, um jeden Laut zu ersticken.
Die Energie pulsierte heftiger.
Schutt regnete herab, als das Einsatzteam Möbel umstieß. Sie jagten nach Beweisen—verschlüsselten Laufwerken, Kommunikationsgeräten, allem was Königin Elizabets Paranoia über organisierten Widerstand nährte. Aber das wahre Geheimnis lag in Arinas Blut, wo es jahrelang geschlummert hatte.
"Nichts hier", knisterte eine Stimme durch das Funkgerät. "Nur verbrannte Hardware."
"Sucht weiter", kam die Antwort. "Der Hacker hatte einen Partner. Findet sie."
Arina zitterte so stark, dass ihre Zähne klapperten. Das Licht zwischen ihren Fingern wurde heller—nicht genug, um von der Straße gesehen zu werden, aber stark genug, die Risse in der Ziegelmauer zu erhellen. Jahrzehntealte Mörtellinien, die ihr Urgroßvater gelegt hatte, als Menschen noch in Menschenmengen untertauchen konnten statt in Überwachungsnetzwerken.
Sie dachte an Konstantin Woldemar, den idealistischen Hacker, der vor zwei Wochen verschwunden war, nachdem seine Wohnung gestürmt wurde. Die Untergrundforen tuschelten, er sei erwacht—seine Fähigkeiten an die Oberfläche gebrochen wie ein Systemabsturz. Manche sagten, er sei tot.
Andere behaupteten, er verstecke sich im Industrieviertel.
Arina hatte ihn für rücksichtslos gehalten. Vielleicht war sie neidisch gewesen.
Das Licht in ihren Händen pulsierte mit ihrem Herzschlag. Sie atmete den Gestank der Gasse ein—verrottenden Müll und Dieselabgase und etwas Tieferes, Älteres. Das Fundament der Stadt roch nach begrabenen Geheimnissen.
Das Einsatzteam zog weiter, ihre Stiefel verblassten zum Haupteingang des Museums. Arina blieb erstarrt, lange nachdem die Geräusche verschwunden waren.
Das Glühen in ihren Händen dimmmte langsam.
Sie kroch hinter dem Container hervor in die Trümmer. Der Serviceeingang des Museums klaffte offen—Sicherheitspaneele aufgerissen, Ladeausrüstung verstreut, die Kaffeemaschine des Pausenraums gluckerte noch, als hätte sich nichts geändert. Aber unter dem Rand des Containers, wo das Reinigungspersonal Vorräte lagerte, fand sie eine gefaltete Serviette.
Hastige Schrift in blauer Tinte: Das Lagerviertel. Zeit aufzuwachen. —K.W.
Konstantin.
Arina steckte die Serviette ein, ihre Finger noch warm von innen heraus. Königin Elizabet fürchtete erwachte Individuen aus gutem Grund—sie konnten nicht über normale Kanäle verfolgt werden, nicht durch herkömmliche Überwachung kontrolliert werden.
Sie ging zum Lagerviertel, wo das industrielle Skelett der Stadt sich gegen den Nachthimmel streckte.
Ihre Handflächen begannen wieder zu glühen.
Konstantins letzte Festplatte rauchte noch im Mülleimer.
Arina presste ihre Handflächen gegen die Ziegelmauer. Etwas vibrierte unter ihrer Haut—ein tiefes Summen, das durch ihre Knochen wanderte wie Rückkopplung aus einem kaputten Verstärker. Ihre Finger zuckten. Ein Ziegel löste sich aus dem Mörtel und klirrte zu Boden.
Sie starrte ihre Hände an, als gehörten sie jemand anderem.
Das Vibrieren verstärkte sich, kroch ihre Arme hinauf in ihre Brust, wo ihr Herz gegen Rippen hämmerte, die plötzlich zu klein wirkten. Schwere Stiefel hallten durch die Laderampe über ihr. "Durchsucht jeden Winkel", bellte eine Stimme durch Funkrauschen. "Der Schwarzwald-Kontakt ist irgendwo in diesem Gebäude."
Schwarze Asche rieselte aus der Lüftung des Museums. Arinas Großmutter hatte früher Geschichten über Menschen erzählt, die Gegenstände berühren und biegen konnten, vor den bundesweiten Razzien. Geschichten, die Arina als Familienlegenden abgeheftet hatte.
Jetzt wand sich etwas Lebendiges unter ihrer Haut. Energie suchte einen Ausgang.
Ein weiterer Ziegel brach lose. Dann noch einer.
Arina biss sich auf die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte—metallisch und warm gegen die Zähne. Das Vibrieren hörte nicht auf. Ihre Fingerspitzen glühten schwach im Gassenschatten, warfen zitternde Muster über nasses Pflaster.
Oben knallte eine Tür gegen eine Wand. Glas zersplitterte—die Vitrinen des Museums vermutlich. Arina duckte sich tiefer hinter den Container, presste ihre glühenden Hände gegen den Mund, um jeden Laut zu ersticken.
Die Energie pulsierte heftiger.
Schutt regnete herab, als das Einsatzteam Möbel umstieß. Sie jagten nach Beweisen—verschlüsselten Laufwerken, Kommunikationsgeräten, allem was Königin Elizabets Paranoia über organisierten Widerstand nährte. Aber das wahre Geheimnis lag in Arinas Blut, wo es jahrelang geschlummert hatte.
"Nichts hier", knisterte eine Stimme durch das Funkgerät. "Nur verbrannte Hardware."
"Sucht weiter", kam die Antwort. "Der Hacker hatte einen Partner. Findet sie."
Arina zitterte so stark, dass ihre Zähne klapperten. Das Licht zwischen ihren Fingern wurde heller—nicht genug, um von der Straße gesehen zu werden, aber stark genug, die Risse in der Ziegelmauer zu erhellen. Jahrzehntealte Mörtellinien, die ihr Urgroßvater gelegt hatte, als Menschen noch in Menschenmengen untertauchen konnten statt in Überwachungsnetzwerken.
Sie dachte an Konstantin Woldemar, den idealistischen Hacker, der vor zwei Wochen verschwunden war, nachdem seine Wohnung gestürmt wurde. Die Untergrundforen tuschelten, er sei erwacht—seine Fähigkeiten an die Oberfläche gebrochen wie ein Systemabsturz. Manche sagten, er sei tot.
Andere behaupteten, er verstecke sich im Industrieviertel.
Arina hatte ihn für rücksichtslos gehalten. Vielleicht war sie neidisch gewesen.
Das Licht in ihren Händen pulsierte mit ihrem Herzschlag. Sie atmete den Gestank der Gasse ein—verrottenden Müll und Dieselabgase und etwas Tieferes, Älteres. Das Fundament der Stadt roch nach begrabenen Geheimnissen.
Das Einsatzteam zog weiter, ihre Stiefel verblassten zum Haupteingang des Museums. Arina blieb erstarrt, lange nachdem die Geräusche verschwunden waren.
Das Glühen in ihren Händen dimmmte langsam.
Sie kroch hinter dem Container hervor in die Trümmer. Der Serviceeingang des Museums klaffte offen—Sicherheitspaneele aufgerissen, Ladeausrüstung verstreut, die Kaffeemaschine des Pausenraums gluckerte noch, als hätte sich nichts geändert. Aber unter dem Rand des Containers, wo das Reinigungspersonal Vorräte lagerte, fand sie eine gefaltete Serviette.
Hastige Schrift in blauer Tinte: Das Lagerviertel. Zeit aufzuwachen. —K.W.
Konstantin.
Arina steckte die Serviette ein, ihre Finger noch warm von innen heraus. Königin Elizabet fürchtete erwachte Individuen aus gutem Grund—sie konnten nicht über normale Kanäle verfolgt werden, nicht durch herkömmliche Überwachung kontrolliert werden.
Sie ging zum Lagerviertel, wo das industrielle Skelett der Stadt sich gegen den Nachthimmel streckte.
Ihre Handflächen begannen wieder zu glühen.
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